• Adriana und Alfred Mettler

Babyshowers und Kindergeburtstage

Bevor man irgendwelche Kindergerburtstage überhaupt feiern kann, muss zuerst eine Babyshower Party stattfinden (eine Art Vorgeburtsparty des ungeborenen Kindes – es hat bestimmt viel Spass daran). Ein paar Wochen bevor das Baby (das Geschlecht ist ja bereits bekannt) zur Welt kommt, organisiert eine gute Freundin oder eine Verwandte diese Babyshower für die angehende Mutter.

Vor mehr als hundert Jahren wurde die Regel aufgestellt, dass nur Frauen am Event teilnehmen dürfen, was sich bis heute so erhalten hat. Vom Organisationskomitee (d.h. der lieben Freundin oder Verwandten) erhält man eine Liste mit allen möglichen und unmöglichen Mutter- bzw. Baby-Sachen und wählt dann etwas aus, das man der Mutter oder dem Baby oder beiden schenken möchte.

Meistens finden diese Showers am Nachmittag statt; alles, was zum Essen und zum Trinken serviert wird, sollte irgendwie einen Baby Touch haben - pink gefärbte Cookies, mit Schnullern verzierte Cupcakes, etc. Es werden alberne Spiele (natürlich mit Babythematik) gespielt, die angehende Mutter packt die unzähligen Geschenke aus, alle jubeln im Chor: “Oh my god, so cute!”. Es ist wahrhaftig eine Vorbereitung auf die vielen Kindergeburtsagsparties, die folgen werden.

Als unsere kleinen Söhne das erste Mal zu einer amerikanischen Geburtstagsparty eingeladen wurden, waren wir leicht perplex, als wir merkten, dass das Fest nicht beim einladenden Freund zu Hause stattfindet. So folgten wir den “Directions” und fuhren zum Party-Ort. Nach einer mehr als halbstündigen Fahrt durch eine ziemlich trostlose Gegend parkierten wir schliesslich vor einem ebenso trostlosen Gebäude, unserem Ziel. Weit und breit war da kein Wald (oder zumindest Spielplatz) zum Herumrennen, keine Wiese, um phantasievolle Spiele zu spielen oder Hütten, Pfeilbögen, Märchenfiguren zu basteln. Nirgendwo stand ein gedeckter Geburtstagstisch mit selbstgebackenen Kuchen, kein kindergerechtes Picknick weit und breit (es war wohl naiv, so etwas zu erwarten!). Was wir vorfanden war ein kahler, dunkler und übelriechender Raum, wo sich all die eingeladenen Kids versammelten. Etwas irritiert und schweizerisch besorgt überliessen wir schliesslich unsere Söhne ihrem Spass mit der Gruppe.

Als wir sie zwei Stunden später wieder abholten, erzählten sie uns, was genau in jenem Partyzentrum der neuste Hit war. Die Kinder im Alter zwischen 6 und 10 wurden in Gruppen eingeteilt, und jedes Kind erhielt eine “Laser Gun” in die Hand gedrückt. In dunklen Räumen wurde dann der kreative Geburtstagskrieg gespielt – wer trifft wen zuerst, und welche Gruppe “überlebt” bis am Schluss. Nachdem der Krieg vorbei war, wurde dann die im Supermarkt gekaufte, von Zucker und Konservierungsstoffen strotzende Torte gegessen und mit Süssgetränken heruntergespült (eine Art Friedensessen). Der Schock und das absolute Unverständnis sassen tief. “Nie werden wir jemanden in der Schweiz von dieser Erfahrung erzählen”, schworen wir uns auf dem Heimweg.

Ein nächstes Mal fand das Geburtstagsfest in einem Rollerskating Ring statt. Hier mussten die Eltern nicht einmal die Torte mitbringen, der Tisch und alles was zu einem richtigen Kindergeburtstag gehört, war bereits vom Veranstalter organisiert worden. Die Eltern mussten nur die Kreditkarte zücken.

Kein einziges Mal wurden unsere Söhne an einen Kindergeburtstag eingeladen, der bei einem Kind zu Hause von den Eltern organisiert wurde. Dabei hätten die meisten Familien dafür genügend Platz gehabt.

Einmal aber konnten wir ein Geburtstagsfest im Garten unserer Nachbarn beobachten. Bereits am Vortag kam eine Partyservice-Firma und stellte ein riesiges Zelt mit gigantischen, aufblasbaren Spielgeräten auf. Ein Clown / Zauberer wurden für den nächsten Tag engagiert. Ein eingeladenes Pony schaute auch irgendwann vorbei und liess (für einen Moment) die Augen der Kids leuchten. Einen ganzen Nachmittag wurde für ständige Unterhaltung gesorgt. Ins Haus selbst durften die Gäste nicht – nur die Benützung der Toiletten wurde genehmigt. Der ganze mit Entertainment vollgepackte Nachmittag konnte sich im Freien abspielen: Am Abend kam dann die Event-Planning Crew, und räumte alles wieder einwandfrei weg. Wie einfach war das doch auch hier: Von A-Z wurde die ganze Angelegenheit delegiert, die Eltern mussten lediglich am Schluss in ihre Taschen greifen.

Und nein, das sind nicht etwa Geburtstage von superreichen Familien; auch ganz normale Durchschnittsfamilien lassen sich Kindergeburtstage etwas kosten. Was dann aber die Superreichen tun und organisieren (lassen), sei der eigenen Fantasie überlassen.

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