• Adriana und Alfred Mettler

Wenn der Klient ein Trump-Wähler ist

Seit über drei Jahren coache ich fast ausschliesslich über Videocalls. Anstatt dass meine Klientinnen und Klienten zu mir kommen, kann ich ein kleines bisschen in ihre Stuben hineinsehen.


Vor einem knappen Jahr hatte sich ein potentieller Klient bei mir gemeldet, und wir führten das Vorgespräch telefonisch durch. Anschliessend einigten wir uns auf eine Zusammenarbeit, und er kontaktierte mich pünktlich zur abgemachten Zeit auf Skype. Als ich meine Kamera öffnete, sah ich einen eher kleinen Mann vor einem riesengrossen Plakat sitzen: “Keep America Great – Trump 2020”…


Die ersten Worte blieben mir regelrecht im Hals stecken. “Reiss dich zusammen, du darfst nicht werten, du musst immer neutral bleiben, die ersten Sekunden sind entscheidend…” schoss es mir im Schnellzugstempo wirr durch den Kopf.


In den nächsten Wochen lernte ich einen angenehmen, ausgesprochen höflichen, und empathischen Mann kennen. Er hielt unsere Termine ein, er bezahlte regelmässig und pünktlich, er war lernwillig. Einmal musste er eine Session absagen und bestand darauf, sie trotzdem zu bezahlen, obwohl ich abgewinkt hatte (er hielt sich strikt an die juristische Klausel im Vertrag).


Nie sprachen wir über Politik, nur einmal äusserte er sich frustrierend über die hohen Steuern, die er bezahlen müsse. Als Coach habe ich ihm bestimmt viele Dinge aufzeigen können, allerdings war es er, der mir etwas Unerwartetes beigebracht hatte: auch unter Trump-Supportern gibt es sympathische Menschen.

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